Die Regierung kündigt nun hartes Durchgreifen gegen die Proteste an. »Der Fiskus ist zum neuen Feind geworden, das ist inakzeptabel. Wer Equitalia angreift, greift den italienischen Staat an«, warnte Innenministerin Anna Maria Cancellieri. Bis zu tausend Soldaten will die Regierung einsetzen, um Filialen der Agentur und andere Einrichtungen zu schützen.
Auch für mutmaßlich gefährdete Persönlichkeiten wurden die Sicherheitsvorkehrungen bereits verschärft. Personenschutz wurde unter anderem dem Geschäftsführer des italienischen Rüstungskonzerns Finmeccanica, Giuseppe Orsi, gewährt. Die anarchistische Organisation FAI hatte vergangene Woche Anschläge gegen das Unternehmen angekündigt. Auch für Manager der Finmeccanica-Atomtochter, Ansaldo Nucleare, wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. FAI hatte sich zum Attentat auf den Geschäftsführer von Ansaldo Nucleare, Roberto Adinolfi, bekannt. Dieser war vor einer Woche in Genua auf offener Straße angeschossen worden.
(Quelle: classe)
In ihrem Statement adressierte Anonymous Italien auch die verdeckten Ermittler, die im Auftrag von Polizei oder Geheimdiensten in den Foren der Hacker vermutet werden. Sofern die Infiltration andauere, würde auch Anonymous seine Angriffe fortsetzen. Womöglich spielten die Netzaktivisten auf eine Razzia an, die sich wenige Tage vorher ereignet hatte. Am 29. März wurden landesweit Wohnungen unter anderem in Genua durchsucht. Mehrere Personen wurden verhaftet und verhört und nur unter Meldeauflagen entlassen. Besonderes Interesse galt offensichtlich dem Mailverkehr der linken Aktivisten: Die “Technische Ermittlungseinheit der Carabinieri” hatte sich laut eines Statements der Betroffenen Zugang zu den Mailaccounts von Webseiten des linken Providers noblogs.org verschafft.
Ein anderer Schwerpunkt der Konferenz im April soll auf Gruppen liegen, die grenzüberschreitenden Widerstand gegen Schienennetzwerke organisieren. Gemeint sind wohl die Proteste gegen die Hochgeschwindigkeitsverbindung durch das Susa-Tal im Nordwesten Italiens. Die dortige Bevölkerung leistet seit 20 Jahren erbitterten Widerstand gegen den »Treno ad Alta Velocità« (TAV). Die »No TAV«-Bewegung findet einen starken Rückhalt in der italienischen wie auch internationalen Linken.
Es sind wohl jene internationalen Netzwerke, die der italienischen Regierung ein Dorn im Auge sind und die nun von Europol aufs Korn genommen werden sollen. Tatsächlich versucht die Regierung in Rom, die Proteste zu kriminalisieren. Die Polizei behauptete kürzlich, die Demonstranten würden Tote in Kauf nehmen und seien als “terroristisch” einzustufen. Demgegenüber war es die Polizei, die einen Baumkletterer aus großer Höhe abstürzen ließ und schwer verletzte.
Violence on the part of police has clearly been escalating: meanwhile, the most important Italian mainstream media have followed and hit the No-Tav movement with unprecedented strength. Almost every television station and every major newspaper has attacked the movement, employing the labels of “terrorism”, violence, and illegality. Monti’s “technical” government has officially declared that the High-Speed Rail must be built and that work on the project will continue. His stance has been met with full agreement and support from political forces on both sides of the spectrum, from the Democratic Party (center-left) as much as the Northern League (a far right party that has often voiced anti-European Union sentiments).
During the night of February 29, the No Tav assembly met in Bussoleno and called for a new protest, spread all around Italy for the following day. On March 1, 2012, the protest has started again in dozens of large and small Italian cities, leading to highway blockades and occupations of railway stations. The no-tav movement has also received the support of a group of hackers, who have attacked some institutional websites in the Piedmont region.
No TAV: Großdemonstration und Repression
Der Protest gegen die Schnellzuglinie TAV zwischen Turin und Lyon dauert an. Am 25. Februar gab es eine erfolgreiche Demonstration mit zehntausenden Teilnehmenden. Doch bereits am Abend danach folgte ein gewaltsamer Polizeieinsatz, seither wechseln sich Widerstand und Repression weiter ab. Martina vom No TAV-Kommitee Turin und Mirko, No TAV-Aktivist aus Mailand, berichten über die Ereignisse.
Polizia sfonda vetrata bar a caccia dei NoTav -
Dopo le cariche un gruppo di agenti dei reparti mobili insieme a uomini della scientifica butta giù le vetrate di un bar per prendere dei notav. Vi trova dentro i ristoratori e ragazzi anche minorenni. Una ragazza incinta sostiene di essere stata “pestata”. La porta sfondata non è quella di accesso. I proprietari sembra non trovassero le chiavi, ma la polizia ha deciso comunque di buttarla giù senza passare da porta principale
Rastrellamenti?
Bullenterror im Susatal

No Tav activists were not expecting the police to expropriate until the following night, but they came in the morning, after an urgent order by the Prefect. On Monday 27th February they started to build the fences to enlarge the construction site, in spite of the 75.000 people demonstration that took place just two days before.
Luca Abbà, farmer, No Tav activist since the beginning of the protest and owner of one of the newly expropriated plots, forced the police block and reached a power line pylon, climbing on it as he had already announced he would have done if the Tav building site wouldn’t have been stopped. Keeping in contact to a local militant radio by his mobile and shouting to the policemen, he told that he was ready to touch the high-tension cable, but this didn’t stop the police to run after him with climber agents. Abbà kept on climbing until he touched the cable (a witnesses say by the transmitter antenna) and fell down, struck by electricity, from an height of more than 10 meters.
The same witness – Mimmo Bruno, a No Tav activist – told to “Sky Tg 24 News” that a police climber was trying to grab Abbà’s ankles just before he touched the cable and fell. Police has released a video where Abbà’s fall is showed, but just in its horrendous ending, with Luca hitting the stone and cement ground. The video is cut so that we can’t see him touching the cable and starting to fall. Many accuse the police of trying to hide its own direct blame in the event. A local radio collected witnesses’ statements telling that Police questioned and took the witnesses’ evidences about the moment of Luca’s fall from the pylon; but were then told those testimony had no legal relevance since they were committing a crime occupying Baita Clarea.
25.2.2012, Turin, Bahnhof Porta Nuova
Nachdem die Demo im Susatal vollkommen entspannt verlaufen war (keine Bullen zu sehen), kam es im Anschluss im Turiner Bahnhof zu massiven Bullenübergriffen.
Eine Gruppe Demonstanten, die zur Weiterfahrt in einen Zug nach Mailand umsteigen wollten, wurden von einem massiven Aufgebot carabinieri aufgehalten und zeitweise eingekesselt. Angeblich ging es den Bullen um das Kontrollieren der Fahrkarten. Gegen die Schikane wurde Widerstand geleistet, die Knüppeltruppe reagierte mit massiver Gewalt. Zahlreiche Menschen (darunter auch unbeteiligte) wurden verprügelt, zwei (ein Bulle, ein Demonstrant) mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Weiteres Video:
The solidarity for the NOTAV movement does not stop. Against the arrest of 25 people, last week, NOTAV demonstrations took place in various Italian cities. In Milan, on Friday and Saturday the 17th and 18th of February, about 3000 people gathered for a concert and a march that terminated in front of San Vittore prison. On the 17th a march took place in Genova and other direct actions were reported in Venice and Bologna where activists occupied the Freccia Rossa club, symbol of the contested High Speed trains in local train stations. NOTAV public assemblies have been held in Roma, Napoli, Palermo, Pisa and other Italian cities preparing for the national march that will be held in Val Susa on the 25th of February.
Solidaritätserklärung mit den politischen Gefangenen der NO-TAV Bewegung
Am Morgen des 26. Januar 2012 fand gleichzeitig in verschiedenen Städten Italiens eine große Verhaftungsaktion statt. Sie richtete sich gegen Angehörige der Protestbewegung gegen den Bau einer neuen Linie für einen Hochgeschwindigkeitszug zwischen Turin und Lyon. Seit Jahrzehnten setzt sich ein breites Bündnis unter dem Namen “NO TAV” gegen diese Zuglinie ein.
Die Liste der Personen, die nun in Untersuchungshaft genommen wurden, reicht bis ins bürgerliche Spektrum hinein, besonders in den direkt betroffenen Berggemeinden. Als Begründung werden verschiedene Tatbestände genannt, die sich alle auf den Sommer 2011 beziehen. Damals blockierte die NO-TAV-Bewegung die Baustelle für einen neuen Bauabschnitt. Als Reaktion wurde ein Großaufgebot an Polizei und Militär zusammengezogen und das Protestcamp geräumt.

Saturday 28 January 2012, two days after the police blitz in which 41 no-tav activists were arrested or subject to precautionary measures, the “no-tav” movement demonstrates in Turin against that judiciary action with a march of about 10 thousands persons.

Am gestrigen 26. Januar wurden im Morgengrauen landesweit koordinierte Razzien in Centri und Privatwohnungen durchgeführt. So sollten angeblich an den Auseinandersetzungen vom 3. Juli Beteiligte festgenommen werden, da sonst Flucht- oder Verdunkelungsgefahr bestehe. Insgesamt sind über 40 GenossInnen sowohl im Val di Susa als auch in Mailand, Turin, Genua, Rom, Padua und einer Vielzahl weiterer Städte betroffen. Einige sind alte Bekannte der Proteste, andere bisher nicht öffentlich in Erscheinung getreten. Die Repression ist offensichtlich medienwirksam inszeniert und kommt zu einem Zeitpunkt, in dem Streiks weite Teile Italiens (insbesondere im Süden, wo Sizilien in der letzten Woche von einer veritablen Sozialrevolte lahmgelegt wurde. Dort blockierten LKW-Fahrer, BäuerInnen, FischerInnen zusammen mit Studis, SchülerInnen und AktivistInnen fünf Tage lang Häfen, Straßen und eine Raffinerie) treffen und vieles auf einen neuen Aufschwung der Sozialproteste gegen die neoliberale Monti-Regierung hindeutet.
EU-Kommissar Antonio Tajani habe mit Innenministerin Anna Maria Cancellieri telefoniert, teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit.
Dabei habe er vor den Folgen des Protests für den Güterverkehr in Europa gewarnt, weil viele Lastwagen die Routen durch Italien nutzten.
Die italienische Regierung habe zugesagt, alles zu tun, um die Straßenblockaden bald aufzuheben.